Atlantikblau - Surf.Yoga.Travel.

Reiseberichte aus dem Bulli von uns für Euch!

Dänemark, Juni 2017

Es ist Anfang Juni, der letzte Surftrip vom April ist uns noch gut in Erinnerung. Dennoch juckt es in den Füßen, wir wollen los. Kurz vorher ist die Matratze für den Bus geliefert worden. Nachdem wir sie zugeschnitten und Bezüge genäht haben, sind wir voller Erwartung, wie es sich auf dem guten Stück schläft. Schnell die Vorhersage gecheckt, für Dänemark stehen die Chancen gut, zum Ende der Woche Wellen zu bekommen.
So machen wir uns dann am Freitagmorgen auf Richtung Norden. Bis kurz vor die dänische Grenze läuft alles problemlos, letzte Ausfahrt raus, tanken, wieder auf die Autobahn rauf und wir stehen. Die Grenze ist noch immer einspurig, das Wochenende lockt zudem viele Norddeutsche nach Dänemark. Um uns herum stehen sie, Bullis mit Surfsachen, Jollen, Anhängern voll Wassersportequipment. Im Schritttempo rollen wir Meter um Meter voran und äugen immer wieder auf die anderen Fahrzeuge. Fast eine Stunde rollen wir dahin, dann winkt man uns durch. Endlich weiter, von der Grenze sind es nur noch ein paar Stunden bis Hvide Sande, unserem ersten Stopp auf der Reise und wie sich herausstellen wird, sind wir nicht die einzigen dort in dem kleinen Fischerdorf.
Angekommen stellen wir ernüchtert fest, dass der Ostwind die Tage vorher ganze Arbeit geleistet hat. So ruhig und friedlich haben wir die Nordsee lange nicht gesehen. Auf dem völlig überfüllten Stellplatz direkt hinter der Düne gibt es seit diesem Jahr ein Häuschen mit warmen Duschen und Toiletten. Für 10 Kronen bekommt man 5 Minuten warmes Wasser, wer nur seinen Neo ausspülen möchte oder wem die Kälte nichts ausmacht, der kann auch die kalten Duschen auf der Außenseite benutzen. Für eine Nacht zahlen wir 110 Kronen per Visa Card am Parkautomaten. Der Automat nimmt nur Kartenzahlung an, als Bestätigung erscheint nach lautem Surren ein langer Zettel. Bis morgen dürfen wir bleiben, die Nachtparkgebühr wird erst wieder um 20 Uhr des nächsten Tages fällig. Nach der ersten Nacht schauen wir direkt auf die Vorhersage der nächsten Tage. Noch weniger Wind ist angesagt und der kommt auch noch aus der falschen Richtung. Warten ist nicht unsere Stärke und so fahren wir nach Norden, in der Hoffnung im Nationalpark auf Wellen zu stoßen.

Hvide Sande Stellplatz - Dänemark

Mit der kleinen alten Fähre setzten wir von Thyboron nach Agger über, das Wasser durch das wir fahren, hat eine türkise Färbung und liegt wie mit dem Lineal gezogen vor uns. Nur das Brummen des Diesels und ein vereinzelter Möwenschrei dringen an unsere Ohren, als wir in Agger von der Fähre rollen. Absolut surreal.
Am Abend erreichen wir dann den Nationalpark, nachdem auch in Agger das Wasser keine Regung zeigte. Hier zeigt sich ein anderes Bild, leise plätschern vereinzelt Wellen über die Sandbänke. Viel zu kleine, aber wunderschöne Wellen.

Thyboron Agger Fähre - Dänemark
Auf der Fähre nach Agger
Sonnenuntergang Nationalpark Thy
Mini Welle in Thy
Dünenparkplatz im Nationalpark Thy

Der nächste Morgen erwartet uns mit Sonne, wir beschließen nach Klitmöller zu fahren und den Jungs vom Westwind Surf Shop einen Besuch abzustatten. Bereits nach wenigen Kilometern setzt ein feiner Nieselregen ein, genau einer von der Sorte, wo die niedrigste Stufe des Scheibenwischers zu oft wischt, aber auslassen auch nicht geht. Vor Klitmöller schauen wir noch an ein zwei anderen Stränden vorbei, doch es reizt uns nicht wirklich in die kalten Fluten zu springen. Frühstücken in Klitmöller mit Blick auf die Bucht, zähneputzen, stöbern im Shop. Die Jungs versichern uns, dass es am Nachmittag besser wird, der Wind dreht und endlich stärker kommen wird. Nun gut, da gerade wieder der Nieselregen einsetzt, vergraben wir uns wieder in unseren Büchern. Doch irgendwie überzeugt uns die Lage vor Ort nicht, der Wind soll in den nächsten Tagen bis auf 40 Knoten ansteigen. Ein Ort der bei 40 Knoten gut zu surfen ist, ist Hvide Sande. Also leider wieder Motor an, Gang rein und wir rollen gen Süden.

Zähneputzen mit Aussicht in Klitmöller

Wieder durch Nieselregen, grauer Landschaft und den typisch geraden dänischen Landstraßen. Mit Eintreffen in Hvide Sande reißt der Himmel auf und wir können noch ein paar Sonnenstrahlen beim Abendessen genießen, bevor uns die Müdigkeit ins Bett zwingt.
So langsam beginnen wir, unruhig zu werden, der Wind schiebt ordentlich Wasser aus südwesten heran. Doch der ständige Nieselregen und das damit verbundene Eingesperrtsein im Bus schlägt uns aufs Gemüt. Trotz der miesen Wellen schlagen wir uns dann morgens doch noch einmal in die kalte, kabbelige Nordsee. Nördlich der Mole liegt die Nordsee dank der Windabdeckung der Mole etwas ruhiger vor uns, schwabbelige, fette Wellen brechen mit einem guten Meter. Besser als gar nichts und wieder nur den ganzen Tag auf dem Trockenen zu verbringen. Doch nach ein paar Minuten wird klar, dass es hier keinen Spaß macht. Die Strömung zieht extrem stark nach norden hoch und so verlassen wir frustriert nach einer halben Stunde das Wasser und machen uns auf den langen Fußweg, gegen den Wind, durch den Sand bis zum Bus. Völlig frustriert stehen wir auf dem Parkplatz. Als wäre es nicht genug, bekommen wir Bilder von Freunden aus Frankreich geschickt, die bei schönstem Wetter und brauchbaren Wellen die Tage genießen. Als dann wenig später noch Regen einsetzt, wollen wir am liebsten hinschmeißen. Dass das Wetter und die Wellen in den ersten Tagen nicht mitspielen wollten, war uns klar, aber nicht, dass es so schlimm wird. Enttäuscht überlegen wir, ob wir die Rückreise antreten und was wir noch bis dahin machen wollen. Der Blick auf die Vorhersage zeigt eigentlich ganz deutlich: Morgen geht es los, morgen gibt es Wellen. Nach einigen Überlegungen ringen wir uns dazu durch, doch noch eine Nacht zu bleiben. Gegen Nachmittag scheint es auch, als ob es mal wieder aufhört zu regnen und uns passt das perfekt in den Kram,  wir stürzen uns nach kurzer Überlegung in die Kabbelwelle der Nordsee. Wenn schon nicht vernünftig surfen, dann wenigstens paddeln. Zum Glück stellt sich heraus, dass die Wellen doch gar nicht so schlecht sind wie befürchtet. Zum ersten Mal sitzen wir abends wieder mit einem Lächeln im Bus.

Abendessen mit den letzten Sonnenstrahlen
Die Aussicht auf die Dünen

Der Wind heult am frühen Morgen um den Bus, eigentlich noch viel zu früh stecken wir die Nase in den Wind. Süd-Ost. Oh. Ist es das worauf wir gewartet haben? Erwartungsvoll packen wir zusammen und fahren zum nördlichen Teil der Mole in Hvide Sande. Schon oben auf der Dühne sehen wir was sich da unten abspielt, das Zusammenspiel von Mole und ablandigem Wind zaubert uns steile und wunderschöne Wellen vor die Küste. Noch vor dem Frühstück sind wir im Wasser und diesmal zieht uns die Strömung nicht nach Norden raus. Nach dieser Session sitzen wir mit dem Frühstück in der Hand in den Dünen mit Blick auf die Wellen und genießen das, was endlich angekommen ist. Auch am Mittag sind wir wieder im Wasser, bis die Kraft nachlässt, kämpfen wir uns durch die Wellen. Zum Abend hin verschlechtert sich das Wetter, wir verkriechen uns in den Bus und schauen zum Himmel rauf, der uns mit Naturkino der lauten Art unterhält.

Perfekte Welle in Dänemark
Nach dem Surfen die Wellen genießen - Dänemark

Leider bleibt uns am nächsten Tag der ablandige Wind nicht erhalten, er dreht zurück auf west und legt deutlich zu. Laut Messpunkten ist er jetzt bei 35 Knoten angekommen, außerhalb der Mole in Hvide Sande ist nichts mehr surfbar. Doch innerhalb spielt sich eine ganz andere Szene ab, am rechten Rand zur Hafeneinfahrt hin brechen wieder einmal saubere, schöne Wellen. Gut, ziemlich klein denken wir noch, als wir oben auf der Düne am Parkplatz stehen. Doch unten im Wasser zeigt die Nordsee was sie zu bieten hat, fast wie ein Pointbreak rollen da 1,5m Welle auf uns zu. Immer als dreier Set, die letzte Welle ist halb so groß wie die ersten beiden, dafür aber glatt gezogen und klar.

Point Break Hvide Sande

Nach fast drei Stunden im Wasser fallen wir erschöpft in den Sand. Genau das haben wir uns vorgestellt, so wollten wir das haben und jetzt ist es da. Unser letzter Tag erwartet uns mit noch größeren Wellen innerhalb der Mole. Wir sind reichlich spät dran, zumindest wenn man den dänischen Kleinwagen vertraut, die den Parkplatz füllen. Mit dem Kaffee in der Hand stolpern wir zum Schauen auf die Dühne und tatsächlich, gut zehn Locals sitzen im Wasser auf der linken Seite zwischen den Molen. Mit dänischen Locals wollen wir uns nicht um die Wellen schlagen und so setzen wir uns in die Mitte der Mole, wo bei ausreichend Swell die Welle zweimal brechen kann. Der Plan geht auf und wir haben den Spot für uns alleine. Durch den Sturm und die aufgewühlte See fällt uns eins negativ auf: Hvide Sande ist eigentlich ein sauberer Spot, gelegentlich schwimmt mal Müll durchs Wasser, aber heute befindet man sich quasi im Müll. Überall schwimmen Plastik, Schnüre und anderer Müll. Das ist ziemlich schade und das Surfen bekommt dort einen negativen Beigeschmack. Leider ist dies auch unser letzter Tag, kurz nach unserem Mittagessen treten wir schon die Fahrt zurück nach Deutschland an. Hvide Sande bei Sturm hat uns mal wieder nicht enttäuscht.

Surfen Hvide Sande
Overhead in der Nordsee
Surfen Hvide Sande
Volles Line Up zwischen den Molen


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